Rat beugt sich dem Schüler-Wunsch…

Fraktionen diskutieren über Situation der Ludgerus-Hauptschule / Pflegschafts-Abfrage im September

„Wichtig ist mir, dass ich einen vernünftigen Schulabschluss machen kann“, sagte Tim Albrecht. Der künftige Neuntklässler der Ludgerushauptschule gehört zu dem letzten Jahrgang an der Heidener Hauptschule. „Wenn wir bis zum Schluss hier in Heiden bleiben können, ist das gut. Ich könnte aber auch mit einem Wechsel leben“, stimmte Albrecht mit seinem Mitschüler Nicolas Giese überein. Mit weiteren Schülern, Eltern und Klassenlehrerin Heike Wilde verfolgten die beiden Schüler am Dienstagabend die Diskussion über die Situation an der auslaufend gestellten Ludgerusschule im Heidener Rat. Vom Willen der Schüler und Eltern macht dieser laut einstimmigem Beschluss sein weiteres Vorgehen in Sachen „Hauptschule“ abhängig.

 

Nach dem Vortrag von Rektor Bernd Kentrup im Velener Schulausschuss (die BZ berichtete) war das Thema auf Antrag von CDU und UWG auf die Tagesordnung der letzten Ratssitzung vor den Sommerferien gesetzt worden. Ursprünglich sei geplant gewesen, die Frage, was mit den letzten beiden zehnten Klassen im übernächsten Schuljahr geschieht, nach den Ferien zu thematisieren, führte Bürgermeister Hans-Jürgen Benson aus.Auf entsprechende Vereinbarungen zwischen Schule und Verwaltung verwies auch Dr. Patrick Voßkamp (CDU) als Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses. Er verwahrte sich dagegen, dass die Politik sich auf dem Versprechen der Bezirksregierung Münster ausgeruht habe. „Wir tun alles, dass die Schule hier bis zum letzten Tag besteht“, versicherte Voßkamp und verwies auf eine „bisher vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Man werde „alle Möglichkeiten ausschöpfen“. Allerdings mahnte Voßkamp, „alles in Ruhe zu machen und mit- statt übereinander zu reden“.

Die Bezirksregierung Münster hatte im Mai 2013 bei der Zusammenlegung der Ramsdorfer Paulusschule mit der Heidener Ludgerusschule versprochen, dass alles „Sachliche und Fachliche getan wird, die Versorgung auch für den letzten Jahrgang aufrechtzuerhalten“, erinnerte Benson und verwies auf die Kooperation mit der Sekundarschule Velen.
Rektor Kentrup wiederholte jedoch seine Zweifel daran, dass die Umsetzung praktikabel sei. Bei zwei Klassen mit etwa 40 Schülern müssten Klassen- und Fachlehrer pendeln, unter Umständen sogar abgeordnet werden. Insbesondere Letzteres wirke sich aus seiner Erfahrung auf die Motivation der Kollegen aus. Aus pädagogischer Sicht hält er es für sinnvoller, die beiden letzten zehnten Klassen unter dem Dach der Realschule beziehungsweise Sekundarschule Velen zu beschulen. Dort wären auch im Vertretungsfall Lehrer vorhanden, um den Unterricht zu sichern.
Eltern auf den Zuhörerplätzen halten von dieser Idee nichts. „Unsere Kinder haben bereits einen Wechsel mitgemacht. Sie fühlen sich hier wohl. An der Realschule sind die Hauptschüler außen vor“, schildert Heike Süß, Mutter eines betroffenen Schülers, ihre Sorgen. Ihr Wunsch: „Es soll alles so bleiben wie es ist.“
In den Pflegschaftsversammlungen im September sollen auch die übrigen Eltern und Schüler dazu gehört werden. Dieses Votum werde die Richtung des Handelns vorgeben, waren sich die Ratsmitglieder einig. Wichtig dabei sei, so Johannes Groppe (SPD), „dass die Schule nicht abgewickelt wird, sondern die Schüler alle Chancen haben, einen guten Abschluss zu machen.“ Dies nannte auch Friedhelm Ashoff für die UWG als oberstes Ziel. Er bat darum, künftig regelmäßig über die Entwicklung an der Schule informiert zu werden.Quelle: Marita Rinke / Borkener Zeitung vom 8.7.2016